Pariser Geschichte

Arenen von Lutetia, Rue Mouffetard, Quartier Latin, Av. de l'Opéra: Ein Rundgang durch die Pariser Geschichte

Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie den Lauf der Geschichte an einem einzigen Tag in den Straßen von Paris zurückverfolgen. Starten Sie von der römischen Antike aus mit einem Besuch in den Arenen von Lutetia, den Arènes de Lutèce. Wenn es die Zeit erlaubt, sollten Sie nicht zögern, das Mittelalter im Musée de Cluny (Wiedereröffnung für Herbst 2021 geplant) zu entdecken, in der Rue Mouffetard, der Rue de la Montagne Sainte-Geneviève und der Rue des Ecoles entlang der Sorbonne, der ältesten Universität Europas. Essen Sie im Quartier Latin zu Mittag, dann überqueren Sie die Seine und gelangen zur Sainte-Chapelle, dem Glanz der Gotik. Passieren Sie die Landzunge der Ile de la Cité und die Uferstraßen, dann kommen Sie nun an den Louvre, die ehemalige Residenz der Könige, deren perfekt austarierte Architektur Sie in die Epoche der Klassik zurückversetzt. Gleich daneben öffnet die Avenue de l’Opéra eine dieser typischen Haussmann-Perspektiven und mit der Metrolinie Météor (14) gelangen Sie blitzartig in das neue Quartier der Bibliothèque de France. Kühnheit, Maßlosigkeit, Eleganz, Sie befinden sich im Herzen des zeitgenössischen Paris, bereit zu einem Diner auf der Seine, direkt darunter liegend.

1 Louvre-Museum

Musée du Louvre, Paris © OTCP - David Lefranc - Ieoh Ming Peï

Das größte Museum von Paris, der Palast der Mona Lisa, des Floßes des Medusa und der Venus von Milo war zunächst einmal ein Juwel der Könige, Kaiser und Präsidenten von Frankreich. Von der dunklen Festung Ende des 12. Jahrhunderts zur Glaspyramide von Peï, die 1989 eingeweiht wurde, haben hier bereits viele regiert, und fast jeder hat seinen Stempel aufgedrückt: Renaissance, Klassik, erstes und zweites Kaiserreich, Gegenwart… Von dem Bau des Palais des Tuileries, nur wenige hundert Meter entfernt, bis zu seiner Zerstörung im Jahre 1871, wurde eine kontinuierliche Vergrößerung unternommen, um beide königlichen Residenzen miteinander zu verbinden. Seit 1793 ist der Louvre ein Museum, das Werke der westlichen Kunst vom Mittelalter bis 1848 beherbergt. Orientalische, ägyptische, griechische, etruskische und romanische Zivilisationen haben es beeinflusst, sowie auch bildende und islamische Kunst.

2 Les iles de la Cité et Saint-Louis

Ile Saint Louis, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Die doppelte Wiege von Paris, eingeschlossen in den Armen der Seine, unterscheidet sich in einigen Punkten. Auf der Ile de la Cité sieht man Uniformen und Anwaltsroben und wandelt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten: Place Dauphine, Conciergerie, Sainte-Chapelle, Hôtel-Dieu, Notre-Dame etc. Die Saint-Louis-Brücke markiert eine Grenze, die sich meist schon durch Musik bemerkbar macht, denn bis hier herrscht noch die Ruhe der prunkvollen Nobelhotels. Die Ile Saint-Louis beherbergt Künstler und Poeten und ist wohl auch der Unterschlupf für Feinschmecker, wenn man nach der hohen Zahl an Restaurants, Cafés, Eisdielen oder Konditoren schließen mag, die ihre verführerische Auslage entlang der Rue Saint-Louisen- l’Île präsentieren.

3 Sainte-Chapelle

Sainte Chapelle, Paris © Thinkstock

Die Sainte-Chapelle ist dafür bekannt, die Dornenkrone von Christus bewahrt zu haben, und ist mit spektakulären Glasfenstern verziert, die an wahre Lichtmauern erinnern. Sie machen aus der Sainte-Chapelle ein Juwel der französischen Gotik.

4 Mittelalter-Museum, Thermen und Hotel de Cluny (Wiedereröffnung für Herbst 2021 geplant)

Musée de Cluny - Le monde médiéval, Paris © Michel Denancé - Bernard Desmoulin

Seit 1843 vereint das Mittelalter-Nationalmuseum zwei architektonische Wunder: die galloromanischen Therme von Ende des 2. Jahrhunderts und das Hotel der Abte von Cluny, gebaut im 15. Jahrhundert. Zwischen dem Hof und dem Garten kündigen der Wohnkörper und die Seitenflügel des Hotels bereits die kommenden Jahrhunderte an. Doch in den üppigen Verschlingungen und Windungen des Kopfteils lebt das Mittelalter wieder auf, mehr noch sogar im Innenbereich. Skulpturen, Goldschmiedekunst, Gemälde, Keramik, Teppiche, Möbel und Gebrauchsgegenstände schaffen ein einzigartiges Bild von Kunst und Gesellschaft des Mittelalters. Zwischen der kleinen, aus Blattwerk geformten Kapelle und dem weltlichen Heiligtum, in dem der Wandteppich der Dame mit Einhorn ausgestellt ist, finden sich Goldkronen, byzantinisches Elfenbein, Dolche und Kettenhemden.

5 Quartier latin

Saint-Michel Brunnen, Paris © OTCP - Marc Verhille

An der Rive gauche, dem linken Ufer im Umkreis der im 12. Jahrhundert gegründeten Universität sprachen Professoren und ihre Schüler hauptsächlich Latein. Diese Tradition hat sich zwar gegeben, doch der Name blieb. Rund um die Sorbonne, des Collège de France, der prestigeträchtigen Schulen oder der Bibliothek Sainte-Geneviève befinden sich noch immer Buchläden, Verlage, winzige Arthouse Kinos und Cafés in denen fieberhaft für Prüfungen gelernt wird. Zwar ist der Saint-Michel-Brunnen nicht mehr der Treffpunkt der einsamen Studenten, denn viele Geschäfte haben das Terrain übernommen, aber der Geist von Maitre Abélard und dem Pflaster von Mai `68 ist immer noch hier und da spürbar.

6 Die Arena von Lutetia

Arènes de Lutèce, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Im 1. oder 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung konnten hier bis zu 15.000 Personen Platz finden, um Dramen, Komödien, Gladiatorenspielen oder Raubtierkämpfen zuzusehen. Mit dem Forum und den Thermen bildete die Arena das Zentrum der galloromanischen Stadt. Das Amphitheater wurde im Jahre 1869 während Bohrungen in der Rue Monge wiederentdeckt und hat seine Sitzreihen und die Bühne wieder für das Stadtleben geöffnet: Hier werden nach der Schule Fußballmatches improvisiert, aber auch Petanque-Spielen und süßem Nichtstun in der Sonne gefrönt.

7 Rue Mouffetard und Place de la Contrescarpe

Quartier Mouffetard, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Die sanfte Abfahrt des Sainte-Geneviève-Berges auf der Rue Mouffetard ist ein charmanter Ausflug durch ein bilderreiches Paris. Auf dem kleinen gepflasterten Place de la Contrescarpe drängen sich die Terrassen von Restaurant und Cafés um einen dörflichen Brunnen. Das Schild La Pomme de Pin, das bei der Nr. 1 noch sichtbar ist, erinnert daran, dass dieser Ort früher einmal Kabaretts beherbergte. Die Rue Mouffetard begann dort als mittelalterliche Straße, früher ein obligatorischer Abschnitt des Weges zwischen Lutetia und Rom, heute bietet es einen Abstecher für ein günstiges Abendessen und Menschen, die die Pubs und Kneipen suchen. Aber das gute Essen findet nach und nach wieder seinen Weg zurück, und, unter den zahlreichen Mansardenfassaden führen die altertümlichen Schaufenster mit Brot und Kuchen, die Metzgerei-Auslagen, und Obst- und Gemüseberge zum kleinen, sehr belebten Markt am Ende der Straße am Kirchturm der Kirche Saint-Médard.

8 Die Sorbonne-Universität

La Sorbonne - Cour d'honneur, Paris

Im Jahre 1253 wurde auf Anregen von Ludwig IX. eine Schule für 16 bedürftige Schüler gegründet, die Theologie studieren wollten. Sie wurde zur Sorbonne, als Robert der Sorbon, der Beichtvater des Königs, ihr seinen Namen verlieh. Nach 1885 wurde die Sorbonne zur wichtigsten Universität von Frankreich, noch heute ist sie eine der bedeutendsten Universitäten von Paris.

9 Rue des Ecoles

La Sorbonne - Cour d'honneur depuis la Chapelle, Paris

Die Rue des Ecoles führt an der Sorbonne, der ältesten Universität von Europa und dem Collège de France entlang. Diese Arterie wurde im Jahre 1866 zwischen der Rue du Cardinal Lemoine und der Rue Jean de Beauvais durchbrochen. Sie wimmelt von Studenten und befindet sich auf einem alten romanischen Decumanus, einer Ost-West-Achse. Man sollte bei der Nummer 56 innehalten und die hausmännische Architektur bemerken, insbesondere die Maskaronen an den Fenstern der zweiten Etage.

10 Die Bibliothèque Nationale François Mitterrand - Kultur in voller Pracht

Bibliothèque Nationale de France © OTCP - David Lefranc

Auf geht´s in den Südosten der Hauptstadt in das Viertel Tolbiac, inmitten des 13. Arrondissements. Hier steht seit 1995 das beeindruckende Gebäude der Bibliothèque Nationale François Mitterrand, in der sich ein Teil der Sammlung der ursprünglichen Nationalbibliothek (Rue de Richelieu) befindet. Dieses vom französischen Architekten Dominique Perrault entworfene Bauwerk feierte im vergangenen März sein zwanzigjähriges Bestehen. Das Gebäude überzeugt mit einer eleganten und minimalistischen Ästhetik, die sich an dem Motto „Weniger ist mehr“ des berühmten deutschen Architekten Mies van der Rohe orientiert. Das Bauwerk besteht aus vier L-förmigen Türmen, die aufgeschlagene Bücher symbolisieren: eine schöne Anspielung für eine Bibliothek! Auch die Zwischenräume spielen eine bedeutende Rolle: die weder durch Mauern noch Zäune geschützten Türme befinden sich in unmittelbarer Nähe und umgeben ein allen zugängliches Areal. Dieser Zwischenraum wird von einem herrlichen Garten ausgefüllt. Nach dem Bau der Bnf ist ein neues Pariser Viertel rund um das Gebäude und auf beiden Seiten der Seine entstanden, die mit der Passerelle Simone de Beauvoir (Feichtinger, 2006) miteinander verbunden sind.