Street art Spaziergang durch das 13. Arrondissement

Monumentalen Wandmalereien im Rampenlicht: Sie machen das 13. Arrondissement zu einem Freilichtmuseum

Das 13. Arrondissement im Süden von Paris steckt voller Straßenkunstfresken. Bereits in den 1960er Jahren wurden die Häuserwände dieses Industrieviertels von Künstlern verkleidet, die ihren Lebensraum verschönern wollten. Mit der Unterstützung des Rathauses des 13. Arrondissements und Aktionen von Kunstgalerien sind in den letzten Jahren einige Bereiche zu wahren Straßenmuseen mutiert! Der Boulevard Vincent Auriol ist dafür ein gutes Beispiel, hier gibt es nicht weniger als 26 riesige Werke. Im Jahr 2013 stand das Viertel mit dem Paris Tower 13 im Rampenlicht, der vor seinem Abriss bemalt wurde und für die Öffentlichkeit zugänglich war. Hier ein Leitfaden, damit Ihnen in dieser Open-Air-Kunstgalerie nichts entgeht.

1 / Ein geheimnisvolles Gedicht von Cryptik

Am Boulevard Vincent Auriol 171 ist die Fassade der Café-Buchhandlung Maruani mit kuriosen Inschriften bedeckt. Das Werk stammt vom Künstler Cryptik, einem Calligraffitti-Fan. Es ist ein Gedicht des Schriftstellers William Saroyan, geschrieben mit Buchstaben, die von mittelalterlichen Schriften inspiriert sind. Wenn Sie das Gedicht lesen möchten, erhalten Sie in der Buchhandlung eine entzifferte Fassung! Das bietet dann auch Gelegenheit, in einigen Büchern zu blättern und eine Zitronen-Meringue-Torte zu genießen.

Cryptik, Untitled, 171 boulevard Vincent-Auriol, Paris Paris 13. Arr

2 / Turncoat von D*Face

Boulevard Paris 13 - Street art - D*face - Turncoat, Paris

Am Boulevard Vincent Auriol 155 befindet sich das Porträt einer Frau in auffälligen Farben. Es ist Turncoat, ein 25 m hohes Werk des Engländers D*Face aus dem Jahre 2018, der hier seine Liebe zu Comics zum Ausdruck bringt.

D*Face, Turncoat - 155 boulevard Vincent-Auriol, Paris 13. Arr.

3 / Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit von Shepard Fairey alias Obey

Obey/Shepard Fairey - Paris 13 - Street art 13 - Galerie Itinerrance © Obey/Street Art 13/Galerie Itinerrance

Shepard Fairey ist einer der größten urbanen Künstler Amerikas. Zur Unterstützung der Opfer der Anschläge vom 15. November hat er ein monumentales Werk geschaffen, das dem Motto der Französischen Republik Tribut zollt. Die Worte „Liberté, égalité, fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) umrahmen eine neuartige Marianne vor dem Hintergrund einer französischen Flagge und Blumen, die an Schablonenarbeiten erinnern.

Eine Kopie auf Leinwand dieses symbolträchtigen Werks wurde vom Präsidenten der Republik, Emmanuel Macron, in Auftrag gegeben, um sein Büro im Elysée-Palast zu verschönern.

Shepard Fairey, Liberté, égalité, fraternité - 141 boulevard Vincent-Auriol, Paris 13. Arr.

4 /Love won’t tear us apart von D*Face

Dann überqueren Sie die Straße zum Place Pinel und betrachten Sie ein weiteres Fresko von D*Face: Love won’t tear us apart. Dieses sich umarmende Paar im Stil der 1950er Jahre erinnert an die Werke von Roy Lichtenstein. Dem Künstler zufolge stellt das Skelettgesicht des Mannes vergangene Liebschaften dar, an denen wir noch immer festhalten.

D*Face, Love won’t tear us apart - 10 place Pinel, Paris 13. Arr.

5 / Papy Dance von C215

Im Jahr 2012 stimmten die Bewohner des Viertels dafür, drei Porträts von Anwohnern anfertigen zu lassen. Eines von ihnen ist unter dem Namen Papy dance bekannt. Schabloniert von dem Pariser Künstler C215 stellt es einen bekannten 78-jährigen Mann aus dem 13. Arrondissement dar: Jeden Samstag steht Elie alias Papy dance vor dem Einkaufszentrum Italie 2 und tanzt dort zur Freude der Passanten, die ihm diesen Spitznamen gegeben haben.

C215, Papy Dance - 9 place Pinel, Paris 13. Arr.

6 / Evelyn Nesbit von BToy

Fresque Evelyn Nesbit de BToy, Paris

An der Fassade eines Gebäudes thront ein riesiges Frauenporträt. Es handelt sich um die amerikanische Revuetänzerin und Model Evelyn Nesbit (1884-1967). Die Künstlerin BToy ist eine Schablonenkünstlerin aus Barcelona, die gerne den weiblichen Ikonen des letzten Jahrhunderts huldigt. Hier wollte sie eine starke Frau darstellen, einem Totempfahl gleich, bei dem die in ihrem Haar dargestellte Natur mit dem menschlichen Wesen verschmilzt und ihre universelle Seite betont.

BToy, Evelyn Nesbit - 3 rue Esquirol, Paris 13. Arr.

7 / Étang de Thau von Maye

Maye ist ein Straßenkünstler aus Südfrankreich und dieses symbolträchtige Werk ist ein Augenzwinkern an seine Region. Der rosa Flamingo erinnert an Teiche, von denen einer der größten der Etang de Thau in der Nähe von Sète ist. Die orange Farbe erinnert an das Fruchtfleisch der im Süden angebauten Melone. Die Figur auf dem Tier ist ein Reiter aus der Camargue: Mit seiner Gabel kann er die Stiere führen und sein Hut schützt ihn vor der Hitze. Halten Sie die Augen auf! Im Fresko stecken noch viel mehr Anlehnungen.

Maye, Étang de Thau - 131 boulevard Vincent-Auriol, Paris 13. Arr.

8 / La Madre Secular 2 d’Inti

Inti - Paris 13 - Street art 13 - Galerie Itinerrance © Inti/Street Art 13/ Galerie Itinerrance

Nehmen Sie sich nicht weit davon entfernt Zeit, das die geheimnisvolle Wandmalerei des chilenischen Künstlers Inti zu betrachten. Madre Secular 2 ist eine Laiendarstellung der Heiligen Jungfrau Maria. Statt des Apfels von Adam und Eva hält sie den Apfel von Newton in der Hand. Auf ihrem Hals und auf ihren Handschuhen sind Sterne und Planeten zu sehen, wie auf einer Himmelskarte. Ihre aus Schädeln gefertigten Schmuckstücke tragen die Zeichen aller Religionen. Diese Madonna des Wissens und des Universums soll ein Symbol der Skepsis sein.

Inti, La Madre Secular 2 - 81 boulevard Vincent-Auriol, Paris 13. Arr.

Verpassen Sie bei einem Spaziergang durch die Rue du Chevaleret nicht die Trois âges des spanischen Künstlers Gonzalo Borondo.

9 / Der Biber von Bordalo II

Das 13. Arrondissement steckt voller Kunstwerke, wie das dreidimensionale Werk des portugiesischen Künstlers Bordalo II. beweist. Wie die meisten seiner Werke ist dieser Riesenbiber ein trash animal (wörtlich „Mülltier“), das aus auf der Straße gefundenem Müll hergestellt wird. Vierzehn Stoßstangen, Reifen, ein Puppenhaus oder zwei Motorradhelme stehen für umweltverschmutzende Gegenstände, die exzessiven Konsum anprangern und unser ökologisches Gewissen wecken sollen.

Bordalo II, Le castor - 87 rue du Chevaleret, Paris 13. Arr.

10 / Die Frigos

Ateliers d'artistes - Les Frigos - Vue extérieure, Paris

Biegen Sie links in die Rue de Tolbiac ein und überqueren Sie die Avenue. Hier können Sie aus einem Wasserbrunnen trinken - mit Kohlensäure! Nicht weit davon entfernt steht ein imposantes, mit Gemälden bedecktes Gebäude: dieFrigos. Es liegt in der gleichnamigen Straße und beherbergte bis 1971 Kühlhäuser. Später lag es brach und wurde dann besetzt. Seither haben Künstler und Musiker wie Ben oder Jérôme Mesnager es zu ihren Werkstätten gemacht.

Im Inneren finden Sie mehrere Bereiche zum Flanieren:

- Die Galerie l'Aiguillage, in der die Werke lokaler Künstler ausgestellt werden;

- Die Terrasse, wo Sie jeden Samstag ein Gläschen trinken und Tangounterricht nehmen können;

- Die Kantine des Aiguillage, wo Sie in freundlicher Atmosphäre etwas zu essen bekommen.

Les Frigos - 19 rue des Frigos, Paris 13. Arr.

Galerie l'Aiguillage, dienstags bis freitags von 13:00 bis 20:00 Uhr und samstags von 12:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.

Kantine im Aiguillage, geöffnet von Montag bis Freitag, von 12:30 bis 15:00 Uhr.

 Mehr Infos über die Frigos

11 / Die Katze von Roa

Fresque Le chat de Roa, Paris

Wenn Sie die Frigos verlassen haben, können Sie durch das Viertel Grands Moulins streifen, wo eine Vielzahl kleiner Straßenkunstwerke die Böden und Wände überziehen. Dort findet sich auch ein erstaunliches Fresko: Auf die hochmoderne Fassade eines Aufzugsschachts gemalt, zieht ein auf den Hinterbeinen stehendes Katzenskelett die Aufmerksamkeit auf sich. Es wurde 2016 vom belgischen Straßenkünstler Roa entworfen, der sich von den Sammlungen des Nationalmuseums für Naturgeschichte inspirieren ließ.

Jardin Abbé-Pierre et œuvre de Roa - 15, rue Thomas-Man, Paris 13. Arr.

Geöffnet von 8:00 bis 20:30 Uhr.

12 / Le Lavo//matik und die Galerie Itinerrance

Fahren Sie weiter und nehmen Sie die bemalte Treppe auf der linken Seite, um zum Lavo//matik zu gelangen. Dieser Galerie-Shop ist der Straßenkunst gewidmet. Die Menge der dort verkauften Gegenstände ist einen Abstecher wert! Etwas weiter finden Sie die Galerie Itinerrance, die hinter vielen städtischen Kunstprojekten in Paris steht. Hier kann man sich die Werke großer internationaler Künstler ansehen, einschließlich derer, die das Viertel, insbesondere den Boulevard Vincent Auriol, verschönt haben.

Lavo//matik, 20 Boulevard du Général-d'Armée-Jean-Simon, Paris 13. Arr.

Geöffnet von Dienstag bis Samstag von 12:00 bis 19:00 Uhr.

Galerie Itinerrance, 24 Boulevard du Général-d'Armée-Jean-Simon, Paris 13. Arr.

Geöffnet von Dienstag bis Samstag von 12:00 bis 19:00 Uhr.

Haben Sie sich in Straßenkunst verliebt? Dann setzen Sie den Besuch in Vitry-sur-Seine fort, zwei Haltestellen von der RER C entfernt, und fahren Sie zur Station Bibliothèque François Mitterrand. In dieser nahe gelegenen Vorstadt finden sich auch Wandmalereien aller Art.

 Weitere Infos über Straßenkunst südlich von Paris