Dörfliches Paris

Butte Montmartre, Sacré-Coeur, Pigalle, Batignolles-Viertel... Auf den Spuren eines malerischen Paris

Auf den Spuren einer Gauklertruppe erreicht man den malerischen Hügel, der von Sacré-Coeur gekrönt ist, den zweit-meistbesuchten Ort von Paris. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, so kommt hier in eine amüsante Pariser Dorfstimmung.
 
Und so kann man von einem Dorf zum anderen wandeln, bis man schließlich nach Batignolles gelangt, einem unbekannten Eckchen und Trendviertel von morgen. Danach kann man Zeit entlang der Theater von Saint-Georges und des kleinen Gustave-Toudouze-Platzes vertrödeln.
 
Rund um seine Glockentürme beginnt man den Tag am Tresen, vor einem Café Crème und knusprigen Baguettes.
 
 
Man flaniert, füllt den Korb mit leckeren Sachen in der Rue Lepic, der Rue des Martyrs oder der Rue Cualaincourt oder mit Stoffen aus der Rue d’Orsel, auf dem Markt von Saint-Pierre, oder warum nicht auch mit Gitarren aus der Rue de Douai und Victor-Massé. Mittags nimmt man im Bistro kleine warme Gerichte oder einen knackigen Salat zu sich.
 
Und da das Dorf ein bisschen der Mode verfallen ist, stöbert man hier zwischen Metzgereien und Milchgeschäften auch Modedesigner und Galerien auf. Abends zieht man sich fein an – oder auch nicht – um Partys, Fiesta oder Feten zu feiern, oder einfach nur ins Kino zu gehen.

1 Batignolles viertel

Fleuristes dans le quartier des Batignolles, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Man sagt, es sei ein „ruhiges Viertel“. Über seinen Markt, die Kirche, den Platz und den Friedhof weht durch das Batignolles-Viertel ein dörflicher Geist.

2 Parc Clichy-Batignolles Martin Luther-King

Skate park du Parc Clichy-Batignolles, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Der Martin-Luther-King-Park ist ein lebendiger Ort des Austauschs und das Ergebnis einer Überlegung zu Umwelt und Wiedereingliederung. Das Pariser Rathaus verlieh ihm diesen Namen zu Ehren des Priesters, der sein ganzes Leben lang gegen Rassentrennung in den Vereinigten Staaten gekämpft hatte.

3 Friedhof von Montmartre

Der Friedhof  Montmartre, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Montmartre-Liebhaber kommen hierher, um ein wenig Kunst an der frischen Luft zu genießen, die Sonne und die Eichhörnchen zwischen den Ahornblättern zu überraschen oder auf eine Schar Poeten und Generäle, Denker, Erfinder und die Kameliendame zu treffen. In einem moosbewachsenen Labyrinth mit wunderlichen Treppen sucht man Vigny, Nijinsky oder Guitry und streift dabei einige Kater, eine Büste von Rodin und die Caulaincourt-Brücke, um letztendlich Alexandre Dumas, Zola, Degas und Dalida zu finden. Weiter auf die Suche nach Poulbot, Truffaut und Feydeau. Über den Statuen und den gemeißelten Kapellen, über Stendhal und Berlioz tschilpen die Sperlingsküken in den Kastanienbäumen. Der Charme ist über elf Hektar verteilt.

4 Avenue Junot und Villa Léandre

Villa Léandre, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Immer noch die Hänge der Bütte. Aber jenseits der Skulptur von Passe-Muraille – auf dem Platz, auf dem Marcel Aymé wohnte – beginnt die Avenue Junot. Platz für die kubistischen Herrenhäuser des Art Deco. Nur wenige Schritte entfernt ein weiter Dekorwechsel: Bei der Villa Léandre, können Sie wie in einem Märchen herumspazieren.

5 Moulin de la Galette

Moulin de la Galette restaurant, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Die beiden Mühlen Blute-fin und Radet bildeten zusammen die „Moulin de la Galette“. Diese Mühlen dienten dem Mahlen von Getreide, Blumen oder dem Pressen der Weinlese. Die Blute-fin wurde 1860 zur Moulin de la Galette und verwandelte sich in ein volkstümliches Tanzlokal. Hier malte Renoir das Bild „Ball der Moulin de la Galette“, das Sie im Musée d'Orsay bewundern können. Seither hat sich die Moulin de la Galette in ein Varieteetheater, ein Fernsehstudio und schließlich in ein Restaurant verwandelt und zieht nach wie vor Künstler aller Horizonte an!

6 Espace Dalí Montmartre

Espace Dali Montmartre © OTCP - Marc Bertrand

Neben der kleinen Place du Calvaire birgt dieses außergewöhnliche Heiligtum unter der Erde mehr als 300 Werke des katalanischen Meister, in einer Inszenierung, in der sich Laut- und Lichtspiele abwechseln. Surrealistische Stiche, Skulpturen und Möbel, darunter die berühmten schmelzenden Uhren, Alice im Wunderland, das Gesicht der Mae West, der kosmische Elefant und viele weitere Kuriositäten, lassen die Fantasmagorie von Salvador Dalí wieder aufleben. An bestimmten Tagen lädt das Atelier Kinder ein, die spielerische Kreativität des surrealistischen Genies näher zu erforschen.

7 Place du Tertre

Portraits sur la Place du Tertre, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Hier herrscht Folklore, zwischen den Restaurant-Terrassen und den Staffeleien der Maler und Portraitisten, die sich 140 Standorte teilen, teilweise mit 1m² für zwei Künstler, die abwechselnd arbeiten. Aber der historische Dorfplatz ist ein kleines Bad in der Menge wert.

8 Butte Montmartre

Basilique du Sacré-Cœur de Montmartre, Paris © Thinkstock

Venedig hat seine Gondeln, Montmartre seine Treppen: sportlich aber arche-romanisch. Und Romane, Legenden und sagenhafte Schicksale, davon gibt es in der Butte genug: vom Feuer des Bateau-Lavoir-Hauses an der Place Émile-Goudeau, in dem die Demoiselles d’Avignon von Picasso das Licht der Welt erblickten, bis zum Café von Amélie Poulain, in der Rue Lepic. Ihr Lebensmittelladen ist etwas höher, an der Rue des Trois-Frères. Eh oui! Klettern Sie los, Montmartre lohnt sich! Kraxeln Sie die Rue Tholozé hinauf, um einen Film zu sehen oder einen Drink im Wintergarten des Minikinos unter der Patenschaft von Buñuel und Cocteau zu nehmen. Kurze Pause am oberen Ende der Straße, unter den letzten noch stehenden Mühlen, vor dem nächsten Anstieg – nur Mut! Ganz oben steht das Sacré-Coeur, das von seinem wundersamen Straßenlabyrinth umgeben ist, und dem Weinberg, in dem jedes Jahr die Weinlese gefeiert wird. Was noch? Die Büste mit den Traumformen auf der Place Dalia, schwindelnde Aussichten über den Dächern von Paris, erstaunliche Menschenmengen und tausend friedliche Ecken. Vom Square de la Turlure oder der Rue du Chevalier-de-la-Barre kann man das Sacré- Cœur von hinten sehen, von wo aus es genauso toll ist, wie von vorne.

9 Basilika Sacré Cœur

Basilique du Sacré Coeur, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Im Jahre 1873 stimmte die Nationalversammlung für den Bau einer Basilika, die der fortwährenden Anbetung des heiligen Herzens auf dem Montmartrehügel gewidmet werden sollte. Der Platz wurde wegen seiner Höhenlage (127 Meter) und wegen seiner Symbolik ausgewählt: Geheiligt durch den Märtyrer Denis war der Hügel wurde er durch die Ausschreitung der Gemeinde im Jahre 1870 besudelt. Mit viel Tücke, Kontroversen und auf unterirdischen Kanälen und auf 83 Pfeilern zogen sich die Arbeiten über vierzig Jahre hin. Doch der Aufwand wurde belohnt! Von unten betrachtet, ähneln seine romanisch-byzantinischen Konturen einem Palast aus Schlagsahne auf einer Anhöhe von Gärten und Terrassen: unterbrochenes weiß und grün auf großen Blauflächen. Von oben, also von den Stufen und besonders von seiner Kuppel aus ist die Sicht atemberaubend.

10 Montmartre-Museum

Parce Domine, Musée de Montmartre © OTCP - Ville de Paris

Im 17. Jahrhundert gehörte dieses Toll- oder Vergnügungshaus dem Schauspieler Rosimond, einem Nachfolger von Molière. Viel später hatten Auguste Renoir, Raoul Dufy, Francisque Poulbot, Suzanne Valadon und ihr Sohn Maurice Utrillo hier ihr Atelier. Das Haus hat bis heute ein Stück Geschichte bewahrt, von der Kabarett-Plakate und Ballankündigungen zeugen. Le Chat noir, le Lapin agile, die Bälle der Moulin-Rouge und der Moulin de la Galette oder der japanische Divan fanden hier statt. Der Chansonnier Aristide Bruant brachte seine Armee von nachtschwärmenden Dichtern hierher. La Goulue, Jane Avril und Nini Patte-en-l’air posierten für Henri Toulouse-Lautrec, Théophile Steinlen, Adolphe Willette und viele andere.

11 Wilder Garten von Saint-Vincent

Jardin Saint Vincent, Paris © OTCP

Dieses Gehege war lange verwahrlost und wurde in der Zwischenzeit von Holunder, Fingerhut, Brombeeren, Efeu und einer Kolonie an kleinen Landtierchen eingenommen. Es wurde beschlossen, dieses zarte und poetische Gebiet so zu belassen, wie es ist, um sein Ökosystem und seine Artenvielfalt zu behalten. Nur mit Führung zu besichtigen.

12 Halle Saint-Pierre –Museum für Art Brut, Art Singulier

Halle Saint-Pierre © OTCP - Marc Bertrand

Im Herzen einer schönen Architektur im Stil von Baltard und den Gärten des Montmartre-Hügels zugewandt, beherbergt die Halle Saint Pierre ein Museum, eine Galerie, eine Buchhandlung, einen Hörsaal und ein Café.

13 Marché Barbès

Afrikanisches Lebensmittelgeschäft, Barbès, Paris  © OTCP - Amélie Dupont

Unter der Überlandmetro findet am Samstagmorgen auf dem Boulevard de la Chapelle ein bunter Markt statt, der für sein Ambiente und seine erschwinglichen Preise berühmt ist.

14 Place des Abbesses

Place des Abbesses, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Auf der Place des Abbesses gibt es viel zu sehen: Den Metroeingang von Hector Guimard, das Karussell, die gusseisernen Laternenpfähle, der Wallace-Brunnen... Und auf dem Square Jéhan-Rictus spielen Trauben von Kindern am Fuße einer emaillierten Lava-Mauer, auf der in 311 Sprachen „Ich liebe Dich“ steht.

15 Pigalle

Station de métro Blanche, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Von der Place d’Anvers bis zur Place de Clichy tummeln sich Nachtschwärmer, Neonlichter und blinkende Leuchtschilder in schlaflosen Nächten, genauso oder fast wie in uralten Zeiten. Im damaligen Paris war der Wein, der bei Einfuhr besteuert wurde, teuer, deshalb ging man sich außerhalb der Stadt amüsieren, im Trubel von Montmartre, mischte sich unter das einfache Volk, die Künstler, die Mädchen und Freidenker. Später wurde das Dorf an die Stadt angegliedert, aber das bunte Treiben ging weiter. Pianobars, Nachtclubs, Privatclubs, Konzertsäle, Café-Theater, Musik-Halls, Showdinner, Pubs und Kabaretts leben weiter. In den 60er Jahren sang hier Gainsbourg „Les petits gars de Liverpool“ und brachte damit das Bus Palladium zum Kochen. Andere folgten ihm. Am Ende der quirligen Rue Fontaine, sieht die Place Blanche um fünf Uhr morgens, wenn das Paris von Dutronc erwacht, noch ziemlich müde aus, aber nach einem Nickerchen ist alles vergessen.

16 Moulin Rouge

Moulin Rouge, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Der Montmartre-Hügel war einst mit Mühlen übersäht. Nach und nach schlossen sie, und die Galette-Mühle wurde ein Tanzlokal. 1889 öffnete eines, das nur noch von außen einer Mühle glich, und bei dem Tanzfläche, Spiegel und ein Elefant im Garten Aufsehen erregten. Bald sorgte der French Cancan – schwarze Seidenstrümpfe, Strapse und Rüschen – für Ruhm und Begeisterung für Goulue und ihre Tänzerinnen. Die ersten Revuen entstanden. 1907 trat eine gewisse Mistinguett ins Rampenlicht, danach brachten die Dolly Sisters den Broadway auf die Bühne. Nach dem Krieg wurde Platz für die neuen Stars gemacht: Édith Piaf, Montant, Trenet, Aznavour … Strass, Federn und Pailletten bezaubern jeden Abend in der Märchenwelt der Moulin-Rouge.

17 Museum des Lebens in der Romantik

Musée de la Vie Romantique, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Eine baumgesäumte Allee, ein rechteckiger, mit Blumen übersäter Garten, ein Hotel weitab vom Trubel: Hier lebte der Maler und Bildhauer Ary Scheffer von 1830-1858. Delacroix, George Sand und Chopin waren seine Nachbarn, das ganze intellektuelle und künstlerische Paris (Liszt, Rossini, Tourgueniev, Dickens…) besuchte sein Atelier. Noch heute begleitet Sie Chopin von Zimmer zu Zimmer auf der Suche nach George Sand, den Gemälden von Ary Scheffer und seinen Zeitgenossen.

18 Museum Gustave Moreau

Musée Gustave Moreau, Paris © DR

Zeichnungen, Malereien, Aquarelle und Skulpturen von Gustave Moreau, einem symbolistischen Maler (1826-1898) wurden in den Ateliers, die rund um sein Haus konstruiert wurden, aufgebaut. Auf der ersten Etage kann man die Wohnung des Künstlers besichtigen.