Volkstümliches Paris

Place de la République und Bastille, Friedhof des Père-Lachaise... Auf der Suche nach einem volkstümlichen Paris

Mischen Sie Akkordeon, Musette-Walzer und Klänge des Feuerwehr-Balles mit einigen „Je t’aime de 14 Juillet“. Fügen Sie einen fliegenden Seiltänzer unter dem Zelt des Cirque d’Hiver hinzu. Geben Sie einen Imbiss und Liköre aus einem Café der Vorkriegszeit aus der Rue de la Main-d’Or dazu, sowie nostalgische Erinnerungen an Berufe wie Kesselschmied, Schrotthändler, Schwefelhölzchen-Verkäufer… Fertig ist das erste Drittel.
 
Nehmen Sie dann einen Marsch von singenden Demonstranten, die von der Colonne der Bastille bis zur phrygischen Mütze der Republik-Statue ziehen. Arbeiten Sie einige Revolutionen, Schwarzpulver und Kanonen unter.
 
Nun zum letzten Drittel: Würzen Sie mit einer Prise Brasilien, Zitrone, Rohrzucker, Cap-Verde, Salsa, Tapas und etwas „veux-tu en voilà“ aus Chansons. Bestäuben Sie das ganze mit Showrooms, Modeläden, Suppenbars, WLAN, Obstsaft und Make-up. Zwischen Plüschsofas, schillernden Tanzflächen, Sitzmöbeln aus Englischleder und schummrigen Lichtkugeln in Hinterzimmern, zupfen Sie noch etwas Glamrock, Jungle, Disco-Remix, Power-Pop, spritzige DJ’s und rebellische Labels hinein. Nicht schütteln: Dieser Cocktail mixt sich von ganz alleine!

1 Aligre-Markt

Markt Aligre, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Im 18. Jahrhundert versorgte er bereits den Vorort Saint-Antoine mit Gemüse und Schweinefleisch. Der Markt ist nicht ohne Grund berühmt: Von Dienstag bis Sonntag ist er der verlockendste von allen!

2 La Maison Rouge – Antoine-de-Galbert Stiftung

La Maison Rouge, Paris © OTCP - DR

In einer ehemaligen Fabrik hat der Sammler und Liebhaber von zeitgenössischer Kunst Antoine de Galbert den Sitz seiner Stiftung eingerichtet. Er nannte sie „maison“ (Haus), damit man sich dort zu Hause fühlte. Die Türen öffnen sich regelmäßig zu den drei jährlichen monografischen oder thematischen Ausstellungen, die mit Vorträgen in der Bücherei bei einem Kaffee oder Mittagessen ausgedehnt werden… wie zu „Hause“, versteht sich!

3 Pavillon de l’Arsenal

Pavillon de l'Arsenal, Paris © OTCP

Zentrum für Information, Dokumentation und Ausstellungen für Urbanismus und Architektur von Paris. Zunächst eröffnet sich eine Dauerausstellung mit einer Führung über Paris auf verschienen multimedialen Ebenen, zweisprachig und für Kinder geeignet. Ton, Bilder, Kennzeichnungen, Touchscreens und ein riesiges Modell umfassen die Stadt von der Wiege ihrer Entstehung bis zu den Plänen von Morgen. Dreimal im Jahr ändert sich die Dekoration. Unter der Aufsicht der Architekturmeister verwandelt sich der Ort je nach Anforderung des ausgestellten Themas. Und weil es hier so schön ist, fühlt man sich hier sehr wohl und verlängert den Aufenthalt in den roten Kokons des Videoraums in der Bücherei.

4 Bibliothek des Arsenal

Bibliothèque de l'Arsenal, BNF, Paris

Welch schöne Einbände! Die kostbaren Bände, mittelalterlichen Manuskripte und Drucke des Marquis de Paulmy besetzen 1757 das ehemalige Arsenal von Francois I., das von Sully wieder aufgebaut wurde. Im Laufe der Zeit reicherte sich die Sammlung an. 1797 wurde sie öffentlich und als Abteilung der Nationalbibliothek im Jahre 1934 eingegliedert. Ausstellungen enthüllen viele Schätze und eine wunderschöne Holzvertäfelung.

5 Opéra national de Paris - Opéra Bastille

Opéra Bastille © OTCP - David Lefranc - Carlos Ott

Das große Theater von Carlos Ott wurde auf der Place de la Bastille am 14. Juli 1989 eröffnet und erstrahlt in moderner Eleganz: Akustik und Soundanlage suchen ihresgleichen, inbegriffen sind Werkstätten für Bühnenbild und Kostüme uvm. Bei Shows oder Führungen kann man über blauen Granit, chinesisches Birnenholz und den schwarzen Samt der 2700 Sitze des großen Saals, sowie über den weißen veronesischen Marmor des Amphitheaters oder die Welt von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely am Fuße der Haupttreppe staunen.

6 Place de la Bastille

L'Opéra Bastille, Paris © OTCP - David Lefranc

Im 14. Jahrhundert wurde eine Festung mit acht Türmen gebaut, um den königlichen Sitz zu verteidigen. Aber die Stadt vergrößerte sich schnell, die Bastille verlor ihre militärische Funktion und wurde zum Gefängnis. 600 Aufrührer erstürmten sie am 14. Juli 1789. Die legendenumrankte Festung wurde kurz darauf niedergerissen. Mitten auf dem Platz gedenkt die Julisäule, auf der der Geist der Freiheit thront, der revolutionären Tage im Jahre 1830, die in diesem Viertel entflammten.

7 Rund um die Bastille

Boutique 39 Charonne, Paris © OTCP - Stéphanie Rivoal

Hier kann man großartige kleine Marken finden. Die Schaufensterauslagen der Designer in der Rue de Caronne und Rue Keller treten in den Farbwettstreit: orange, wasserblau, bonbonrosa… das Viertel begeistert zudem auch Neopunk-Lolitas, Vintage-Fans, und Manga- und Tatoo-Begeisterte. Am Ende des Tages läuten die Barglöckchen die Happy Hour, den Beginn der fröhlichen Stunden, ein. In der Rue de la Roquette gibt es eine explosive Mischung aus Latino-Aperitiven, tollen Restaurants, Lounge-Cafés und zügellosen Dancefloors.

8 Rauchermuseum

Musée du Fumeur, Paris  © DR

Von Zigarren von Mayagöttern bis zu Friedenspfeifen, von holländischen Opiumhöhlen zu orientalischen Wasserpfeifen – diese Geschichte ist so alt wie die Welt selbst. Geheiligt, verteufelt oder verfeinert, die Rauchschwaden erzählen ihre Geschichte mit krautgefüllten Tabakspfeifen, rustikalen Schnupftabaksdosen, chinesischen Opiumpfeifen und Mucha-Reklamen…

9 Friedhof Père Lachaise

Der Friedhof Père-Lachaise, Paris © Thinkstock

Der Friedhof Père Lachaise ist der größte und berühmteste Friedhof der Hauptstadt. Er befindet sich im 20. Arrondissement und erstreckt sich auf 44 ha... Ursprünglich war das Grundstück im 17. Jahrhundert von den Jesuiten gekauft worden, um einen Ort der Genesung daraus zu machen. Bewohnt wurde es unter anderem von François d’Aix la Chaise, auch „Père Lachaise“ genannt. Er war der Beichtvater des Sonnenkönigs. Sein Bruder ließ das Grundstück später vergrößern, bevor er sich dessen entledigen musste, um seine Schulden auszugleichen. Die Gärten wurden zunächst sich selbst überlassen, bevor sie der Seine-Präfekt im 18. Jahrhundert erstand. Im 18. Jahrhundert wurden auf Wunsch des Konsuls Napoleon Bonaparte mehrere neue Friedhöfe gegründet, um den Mangel an Grabstätten auszugleichen: So entstanden die außerstädtischen Friedhöfe Montmartre und Montparnasse.

10 Pavillon de l’Ermitage

Pavillon de l'Ermitage, Paris © DR

Eine einzige Pariser Verrücktheit des Régence-Stils, erbaut von der Herzogin von Orléans, Tochter von Louis XIV.

11 Place de la République

Place de la République, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Der weitläufige Umriss entstand 1854, zusammen mit den neuen Haussmännischen Boulevards. Der Platz begrenzt den Boulevard du Temple an seiner belebtesten Stelle, der auch oft Boulevard du Crime genannt wird, da man die schlimmsten Verbrechen auf den Bühnen der zahlreichen Theater begeht. Seit 1883 nimmt eine Marianne aus Bronze mit 9,5 m Höhe als Allegorie der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit das Herz des Platzes ein. Sehen Sie hin! Mit einer antiken Toga bekleidet und auf die Gesetzestafeln aufgestützt, schwenkt sie einen Olivenzweig.

12 Nur wenige Schritte von République entfernt

Ave Maria restaurant, Paris © OTCP - Amélie Dupont

An der Kreuzung der Rue Oberkampf und der Rue Saint-Maur, sowie der Rue Jean-Pierre-Timbaud befinden sich zahllose große gutbesuchte Bistros mit leicht künstlerisch verschlissenem Touch, dazu Bühnen und Eckkneipen aus der ganzen Welt, die ebenso überfüllt sind - weil es in diesen trendigen Läden Rhythmen und bunte Gaumenfreuden gibt, die man knabbern, schlürfen, pfeifen und mixen kann, bis der Morgen anbricht.