Künstlerischen Paris

Die Académie française, das Odeon-Theater, das Orsay-Museum... Spaziergang im Künstlerischen Paris

Willkommen linkes Seine-Ufer, Mekka der schönen Dinge. Sie brauchen nur durch ein Modemagazin oder eine Kunstzeitschrift im Hochglanzdruck durchzublättern: In dieser kleinen Welt der Eleganz finden sich lässig verstreut Adressen von schicken und gewagten Modeschöpfern, Galerien, Antiquariaten, Literaturcafés und preisgekrönten Verlagshäusern des Viertels.
 
Das ist nicht verwunderlich, haben doch die Musen ihm nach und nach die Académie française, das Odeon-Theater, das Museum der Schönen Künste und das Orsay-Museum geschenkt… Auch haben sie den Montparnasse der „Années folles“ zu einem Anlaufpunkt für Künstler aus aller Welt gemacht, bevor sie diese nach Saint-Germain lockten.
 
Machen Sie sich also auf spannende Begegnungen gefasst! Überall quellen die Werkstattmuseen und Boutiquen über vor Kunst. Da gibt es den Zentaur des Cäsar auf dem Carrefour de la Croix-Rouge, die Kunstschmiedearbeiten aus dem 17. Jahrhundert an den Häusern in der rue de Buci und der rue Saint-André-des-Arts und den Brunnen der Vier Himmelsrichtungen in der avenue de l’Observatoire. Und wenn die Großstadt Sie benommen macht, gehen Sie einfach ins Grüne im Jardin du Luxembourg, de Montsouris, de Georges-Brassens oder im Jardin Atlantique.

1 Musée d’Orsay

Musée d'Orsay, Paris © OTCP - David Lefranc

Der Gare d’Orsay stand 1970 zum Abbruch bereit, wurde aber gerechterweise gerettet und unter Denkmalschutz gestellt. Seine riesigen Hallen wurden in ein Museum umgewandelt, in dem die Markise, das Schiff und die Kuppeln, die gusseisernen Pfeiler und Balken und die Stuckverzierungen erhaben zur Geltung kommen. Vor dem Hintergrund einer Glaswand thront die riesige Uhr des Mittelgangs und überragt einen Parcours durch die Zeiten auf drei Ebenen, der die Jahre 1848 bis 1914 umfasst und mitten im Herzen dieses Meisterwerks der abendländischen Kunst gelegen ist. Malerie, Bildhauerei, grafische Künste und Kunstobjekte bieten auch der Innenausstattung, der Architektur und der Fotografie Raum. Die Epoche ist so üppig und die Sammlungen so reich an Wundern (und an –ismen: Expressionismus, Fauvismus etc.), sodass es unmöglich erscheint, darunter ein einziges zum alles überragenden Meisterwerk zu bestimmen.

2 Notre-Dame de la Médaille Miraculeuse

1830 befahl die Jungfrau der Catherine Labouré, einer Novizin aus dem Kloster der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul, eine Medaille zu prägen, die ihre Träger beschützen sollte. Die ersten Wunder offenbarten sich, als die Cholera in Paris wütete. Die Medaille verteilte ihre Gnade in der ganzen Welt, Catherine wurde heiliggesprochen und die Pilger strömten in die Kapelle. Dieser Wallfahrtsort ist ausschließlich zum Gebet vorbehalten: Stille, kein Foto und Kleiderordnung.

3 Saint-Sulpice-Kirche

Eglise Saint Sulpice, Paris © Thinkstock

Diese Kirche besitzt die Größe und Pracht einer Kathedrale Die Arbeiten an ihr begannen im 17. Jahrhundert an dem ursprünglichen Gebäude aus dem 8. Jahrhundert. Sie dauerten 135 Jahre und hinterließen Schätze aus jeder Epoche: einen Chor, der mit Statuen von Bouchardon verziert ist, eine Jungfrau mit Kind und zwei Weihwasserbecken in Formen von Muscheln, geformt von Pigalle, die Kapelle Saint-Anges, an deren Fresken Delacroix die letzten zehn Jahre seines Lebens arbeitete - und sich vielleicht erschöpfte. Ein Knotenpunkt der Geschichte, der jedes Jahr zahlreiche Pilger anzieht, die seine Schätze bewundern wollen.

4 Saint Germain des Prés

Eglise Saint-Germain-des-Prés, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Dieses Viertel wird von der Seine, dem Luxembourg, dem boulevard Saint-Michel und der rue des Saints-Pères begrenzt. Sein Name geht zurück auf die Kirche, deren Grundsteinlegung auf das Jahr 557 datiert wird und deren älteste noch erhaltene Überreste ungefähr aus dem Jahr 1000 stammen: Eine Insel der Ewigkeit umgeben vom Swing des Unsteten der Mode. Seit den Zwanziger Jahren zieht es Schrifsteller und Künstler in die Cafés von Saint-Germain. Mit der Befreiung bricht sich der Existentialismus unter Camus und Sartre Bahn, während der Jazz die Kellerlokale zum Schwingen bringt: Sidney Bechet mit der Klarinette, der Autor Boris Vian mit der Trompete… Diese Zeiten sind heute Legende, doch Saint-Germain bleibt ein Labyrinth aus alten Straßen, die der Kunst, den Büchern und der Mode geweiht sind.

5 Eugène-Delacroix-Museum

Eugène Delacroix, La liberté guidant le peuple © Thinkstock

Wie einst Delacroix überqueren nun auch Sie die so hübsche, kleine place Fürstenberg. Sie gehen durch die Tür dieser nach Ansicht des Künstlers selbst „zweifellos bezaubernden“ Wohnstätte. Das Porträt von Jenny Le Guillou, der treuen Gouvernante, trifft hier auf die Hl. Magdalena in der Wüste, die Baudelaire so sehr verzauberte. Zwischen Salon und Atelier, das zum Garten führt, finden sich weitere Gemälde, Reisealben und Schulhefte voller Skizzen und Karikaturen.

6 Ecole nationale supérieure des Beaux-Arts

Ecole nationale supérieure des Beaux-Arts, Paris © ENSBA - Jacques Pépion

Nur wenige Auserwählte studieren an dieser Hochschule der Schönen Künste, aber alle Neugierigen können hier nach Terminabsprache die Architektur quer durch die Jahrhunderte kennenlernen. Vom 19. Jahrhundert – Logengebäude, Studienpalast etc. – gelangt man zum Hôtel de Chimay mit seinem Spektrum aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Somit für das Beste gewappnet streift man dann die Lobpreiskapelle. Repliken der Werke von Michelangelo präsentieren sich hier unter der ältesten Kuppel von Paris unter den Überresten des Klosters der Kleinen Augustiner, das Anfang des 17. Jahrhunderts für Königin Margot erbaut wurde.

7 Institut de France

Institut de France, Paris © Thinkstock

Die 1635 von Richelieu gegründete Académie française stellt ihre kleinen Schwestern, die Akademien der Inschriften und Literatur, der Wissenschaften, der Schönen Künste, der Moralischen und Politischen Wissenschaften sowie die Mazarine-Bibliothek, etwas in den Schatten. Jede von ihnen liegt jedoch in unmittelbarer Nähe der berühmten Kuppel der Unsterblichen im grünen Gewand, in einem Institut, das dem Mäzenatentum und der Förderung des kulturellen Erbes gewidmet ist.

8 Münzmuseum

Paris, Musée de la Monnaie © OTCP - Amélie Dupont

In einem ausschweifenden Stadthaus des 18. Jahrhunderts sprechen 2000 Münzen, 450 Medaillen und Marken sowie Werkzeuge, Archive, Gemälde, Stiche, Glasmalereien und Skulpturen von der Geschichte Frankreichs seit der Renaissance anhand einer Chronik der französischen Zahlungsmittel.

9 Odéon

Théâtre de l'Odéon, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Eilige oder lässige Passanten, dichter Verkehr, Lichter von Cafés, Schaufensterauslagen historischer Orte, lange Schlangen vor den Kinos... dies ist die ständige Kulisse des Odeon-Viertels. Ein wahres Zentrum für Leben und Kultur, mitten im Herzen des historischen Paris!

10 Curie-Museum – Radiuminstitut

Institut du radium, Musée Curie - Paris © OTCP - DR

Hier im Radiuminstitut führten Marie Curie, ihre Tochter und ihr Schwiegersohn Irène und Frédéric Joliot-Curie ihre Forschungsarbeiten nach dem Tode Pierre Curies im Jahre 1906 durch. Das zum Museum umgestaltete Labor zeichnet einen Teil der Wissenschaftsgeschichte nach, die mit dieser Familie mit den fünf Nobelpreisen verknüpft ist.

11 Jardin du Luxembourg: Park und Museum

Jardin du Luxembourg, Paris © Thinkstock

Kinder lieben den Park für seine Schaukelpferde, die Segelboote, die man mit einer Stange auf den großen Teich treibt, die Leckereienbuden, das Marionettentheater und die Ponys… Manche Erwachsenen bringen ihre Staffelei oder ihr Schachspiel mit, andere ihre Träume, ihren Notizblock oder ihren Laptop. Auf schmiedeeisernen Stühlen hält man gemütlich Siesta zu Füßen der großen Damen Frankreichs, deren Standbilder kreisförmig angeordnet sind. Hätte sich Maria von Medici einen solch schönen Erfolg träumen lassen, als sie über Palast und Garten befahl? Die Witwe Heinrichs IV. wollte damals ein wenig das heimatliche Florenz wiederfinden. Von der Grotte im italienischen Stil, die sie 1630 errichten ließ, ist der Medici-Brunnen mit all seinen Nischen und Najaden bis heute erhalten. Der Palast ist heute zum Sitz des Senats umfunktioniert. Dieser verwaltet den Park und das Museum, in dem immer wieder Ausstellungen zu Moderner Kunst und zur Renaissance gezeigt werden, als Andenken freilich an die florentinische Königin.

12 Zadkine-Museum

Musée Zadkine

Ossip Zadkine lebte und arbeitete in diesem Wohnatelier von 1928 bis zu seinem Tode im Jahre 1967. Die ausgestellten Werke aus einer Sammlung von über 400 Skulpturen zeichnen seinen Weg nach und werden mit der Moderne konfrontiert: Durch die zahlreichen Gastkünstler ist das Atelier wieder seiner ursprünglichen Funktion zugeführt worden: Hier wird Kunst geschaffen!

13 Tour Montparnasse

Montparnasseviertel , Paris © Thinkstock

Die 59 Etagen aus Stahl und Rauchglas des Turms, der 1973 hochgezogen wurde, haben zu einem Aufschrei der Entrüstung geführt. Man hat sich aber seitdem daran gewöhnt, den Turm mit Ausblick auf ganz Paris als Orientierungspunkt anzuerkennen. Die mehreren hundert Fenster erhellen die Nacht und von der Spitze aus 210 Metern Höhe aus hat man eine überwältigende Sicht… wenn auch nicht ganz bis zum Meer, wo die Züge herkommen.

14 Jardin Atlantique

Jardin Atlantique, Paris © OTCP - David Lefranc

Um auf der Höhe zu bleiben und ein wenig die Luft des offenen Meeres zu schnuppern, klettert der Montparnasse-Reisende in den Jardin Atlantique, der über dem Bahnhof gelegen ist, nämlich auf seinen Dächern! Ein wahres Wunder mit Böden, die wie die Wellen wogen, und mit immergrünen Pinien, mit seinem Spiegelbecken, dem Brunnen der Hesperideninseln, den Tennisplätzen und wundersamen Abenteuerpielplätzen, die dem Ozean geweiht sind.

15 Bourdelle-Museum

Musée Bourdelle, Paris © OTCP - Marc Bertrand

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert schießen die Ateliers in Montparnasse wie Pilze aus dem Boden. Das von Émile-Antoine Bourdelle beherbergt heute 500 Skulpturen aus Marmor, Gips oder Bronze, Leinwände, Pastelle… Vom sterbenden Zentauren in der großen Halle taucht man ein in die Beschaulichkeit der alten Wohnung. Eine Ziegelgalerie zieht sich an den Bronzestatuen im Garten an der Straße entlang. Die Ausstellung wird fortgesetzt in den Ateliers und schließlich in den Sälen, wo die Alchimie des Werks vor dem Hintergrund weißer Wände explodiert. Sie führt weiter durch Efeu und Akazien in einem Innengarten, wo „der Frühling lacht, der Sommer brennt und die Zeit träumt“, wie der Bildhauer schrieb.

16 Mémorial de la Libération de Paris – Musée Jean Moulin

Memorial Leclerc, Paris © DR

Hier werden die Taten zweier emblematischer Figuren des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung gerufen: der eine befehligte die Freien Französischen Streitkräfte, der andere war Widerstandskämpfer. Eine Bildreihe, die aus audiovisuellen Archiven erstellt wurde, lässt den Besucher in das besetzte, das aufständische und schließlich das befreite Paris eintauchen.

17 Henri-Cartier-Bresson-Stiftung

Fondation Henri Cartier Bresson, Paris © DR

Als Auge des 20. Jahrhunderts hat Henri Cartier-Bresson das koloniale Afrika, den Spanischen Bürgerkrieg, die Befreiung von Paris, die letzten Stunden Gandhis, den Sieg der chinesischen Kommunisten festgehalten. Mit seinen Porträtaufnahmen hat er Camus, Faulkner, Mauriac und hundert weitere zeitgenössische Persönlichkeiten verewigt. In einem Atelier der 1910-er Jahre zeigt die Stiftung das Werk des Fotografen anhand von Originalaufnahmen, Bildtafeln, Zeichnungen etc., wobei sie auch anderen Künstlern Raum lässt.

18 Friedhof Montparnasse

Cimetière Montparnasse, Paris © OTCP - Daniel Thierry

Baudelaire ruht nicht weit von seinem Denkmal, wo sich ein Geist des Bösen niederbeugt, umgeben von kleinen Prosagedichten, die seine Bewunderer hinterlassen haben. Seit 1824 ist die Totenstadt im Süden von Paris ein grüner Friedhof für Künstler und Literaten: Bartholdi, César, Duras, Ionesco, Maupassant, Zadkine, Sartre und Beauvoir liegen dort. Gainsbourg, der „Fahrkartenknipser von Lilas“, sammelt Metrotickets ein. Brancusi hat einen kubistischen Kuss hinterlassen und Niki de Saint Phalle eine mosaikartige Katze, um das Grab eines Freundes zu erhellen. Das Erstaunlichste dabei entdecken die Liebhaber des Pittoresken allerdings auf dem Grab von Charles Pigeon und seiner Frau!

19 Cartier-Stiftung für zeitgenössische Kunst

Fondation Cartier pour l'art contemporain, Paris © OTCP - Marc Bertrand

Unter den Auspizien einer Libanon-Zeder, die Chateaubriand im 19. Jahrhundert pflanzte, knüpft der imaginäre Glasbogen aus Spiegelungen und Lichtdurchlässigkeit von Jean Nouvel seit 1994 an die künstlerische Tradition des Viertels an. Hinter einer Glasscheibe, die den Ausblick vom boulevard Raspail verlängert, umgibt das Theatrum Botanicum, ein wildwachsender Garten, das Gebäude, dessen Eingang von einer Pflanzenmauer geschmückt wird. Im Inneren lädt ein leichter und heller Raum aus fein geschmiedetem Stahl die zeitgenössische Kunst in allen Formen dazu ein, von den Örtlichkeiten Besitz zu ergreifen.

20 Sternwarte von Paris

Observatoire de Paris, Paris

„Wir benötigen sie, mein Herr, zum Ruhme Eurer Majestät“, schworen die Gelehrten vor Ludwig XIV., um eine Sternwarte errichten zu dürfen. Acht Jahre später, 1672, wurde das Gebäude nach den Plänen des Architekten Claude Perrault, einem Bruder des Dichters Charles Perrault, fertiggestellt. Die Führung über den Mond, die Venusphasen und die Sonnenflecken erfolgt nach Absprache und zu bestimmten Zeiten auch nachts.

21 Place Denfert-Rochereau und Katakomben

Les Catacombes, Paris © Thinkstock

An der Kreuzung mehrerer Alleen blickt der Bronze-Löwe von Bartholdi nach Westen, um nicht den preußischen Feind zu beleidigen, der 1870 in Belfort niedergekämpft wurde. Um den Platz herum erheben sich zwei unbeliebte Wachhäuser, die auf der Stadtmauer thronten, die Paris bis ins 19. Jahrhundert umgab. In Denfert beginnt auch der Abstieg ins „Reich der Toten“ oder in die Katakomben. Diese unterirdischen verschlungenen Wege wurden 1785 zum Knochenlager der Friedhofs der Unschuldigen. Bei den Mauern voller Schädel und den Anhäufungen von Gebeinen ziehen es zartbesaitete Seelen sicherlich vor, in Richtung rue Daguerre zu entkommen und in der Umgebung die blühenden Geschäfte und kulinarischen Stätten zu genießen.

22 Parc Montsouris

Parc Montsouris © OTCP - Marc Bertrand

Wie sein falscher Zwilling in Buttes-Chaumont ist dieser Landschaftsgarten des Zweiten Kaiserreichs von den Londoner Parks inspiriert. Künstliche Grotten, Biegungen und Täler sind eine so perfekte Täuschung, dass selbst die Haubenmeise und der Girlitz darauf hereinfallen. Auf der Insel grenzen ihre Nistplätze an die der Floridaschildkröten und Stockenten. Die Erpel haben einen grünen Kopf, gelben Schnabel, weißen Hals und eine schokoladenbraune Brust, während ihre Gefährtinnen einfach nur bräunlich gefärbt sind. Um den See herum gibt es große Rasenflächen, Spielplätze, einen Ginkgo Biloba und 1399 andere Bäume sowie eine Wetterstation.

23 Parc Georges-Brassens

Parc Georges Brassens, Paris © OTCP - Amélie Dupont

Mit der Straßenbahn gleiten Sie vom Universitätsviertel zum Parc Georges Brassens, um neue bukolische Abenteuer zwischen Bienenstöcken, Spätburgunderreben, Geißblatt und Jasmin aus dem Duftgarten zu erleben: darunter auch sportliche Abenteuer, Tischtennis, Karussells, Ponyreiten, Klettern; wissenschaftliche Abenteuer auf dem Buchmarkt, der jedes Wochenende unter dem Dach der Pferdehalle des alten Schlachthauses von Vaugirard stattfindet.

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